Maximierer und Genügsamer

Der amerikanische Psychologe Barry Schwartz beschreibt in seinem Buch Anleitung zur Unzufriedenheit (The Paradox of Choice) die Überforderung des modernen Menschen, immer wieder unter einer Menge an Informationen und Optionen Entscheidungen treffen zu müssen.

Sicher: je mehr Optionen, desto höher die Wahrscheinlickeit, dass wir "das Richtige finden". Gleichzeitig macht uns diese Vielfalt nicht glücklicher, da wir (bereits im Entscheidungsprozess) die Reue antizipieren, die uns nach der Entscheidung überkommen könnte ("Ach, hätte ich doch nur...").

Diesem Effekt durch bewussteres Entscheiden entgegenzuwirken, hilft nur begrenzt: Schließlich ist ja das Grübeln das Problem im Enstscheidungsprozess.

Hilfreicher ist es, zu wissen, welcher "Entscheidungstyp" man ist. Schwartz unterscheidet hier "Maximierer" (Maximizer) und "Genügsame" (Satisficers).

Maximierer

haben eine Alles-oder-nichts-Einstellung. Vor dem Kauf studieren sie peinlich genau Produkttests und Erfahrungsberichte und sie suchen bis zur Erschöpfung aller Beteiligten nach dem besten Angebot. Dabei erwarten sie häufig, dass alle um sie herum denselben perfektionistischen Drang verspüren. Trotz der Mühe, die sie in ihre Entscheidungsfindung stecken, werden Maximierer aber immer wieder von Zweifeln geplagt. Irgendwo da draußen könnte es ja ein besseres Angebot geben.

Damit sind Maximierer anfälliger für die Entscheidungsparalyse, für das schon angesprochene Hinausschieben und Umgehen von Entscheidungen. Im Vergleich zu den Genügsamen treffen sie objektiv die besseren Entscheidungen, neigen dafür aber auch eher zur Unzufriedenheit. Ihr großer Vorteil ist, dass sie nicht so schnell aufgeben und bestrebt sind, aus allem das Bestmögliche herauszuholen.

Genügsame

haben akzeptiert, dass man im Leben nicht immer das Beste bekommen kann. So jemand ist der Meinung, dass gut völlig ausreicht. Deswegen suchen die Genügsamen nur so lange, bis sie eine Option gefunden haben, die ihren Maßstäben entspricht. Dabei berücksichtigen sie, dass sie ein endloses Sammeln von Informationen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiterbringt, sondern nur noch anstrengt. Nachträgliche Zweifel sind ihnen eher fremd. Das bedeutet aber nicht, dass sie weniger ehrgeizig wären als die Maximierer. Sie wissen einfach nur, was sie wollen und was ihnen reicht.

Welcher Typ sind Sie?

Lesen Sie bitte die nachfolgenden Aussagen aufmerksam durch uns bewerten Sie diese jeweils auf einer Skala von 1 (stimme überhaupt nicht zu) bis 7 (stimme völlig zu).

  1. Gedanklich spiele ich immer alle Möglichkeiten durch. Ob diese auch umsetzbar sind, steht dabei auf einem anderen Blatt.
  2. Ich bin zwar zufrieden mit meinem Job, halte die Augen aber nach anderen Angeboten offen.
  3. Im TV wechsle ich ständig den Sender, auch wenn ich gerade eine Sendung gucke.
  4. Ich springe immer zwischen Internetseiten hin und her, wenn ich im Netz surfe.
  5. Meine Beziehungen halten nie lange. Der oder die Richtige war einfach noch nicht dabei.
  6. Wenn ich mich entscheiden muss, brauche ich Zeit. Es dauert, bis ich mich auf etwas festlegen kann.
  7. Mich für einen Kinofilm zu entscheiden, fällt mir echt schwer. Das Geld für die Karte muss sich ja auch lohnen.
  8. Kleidung zu kaufen dauert. Ich finde selten etwas, was meinen Ansprüchen genügt.
  9. Ich liebe Ranglisten wie die ›Spiegel‹-Bestsellerliste.
  10. Wenn ich eine Geburtstagskarte schreibe, finde ich nie die richtigen Worte und überdenke die Sätze mehrmals neu.
  11. Fernseher, Kaffeemaschine, Auto – nur das Beste ist gut genug.
  12. Bei allem, was ich tue, setze ich mir die höchsten Maßstäbe.
  13. Ich stelle mir gerne vor, wie mein Leben aussähe, wenn manche Dinge sich anders entwickelt hätten.

Addieren Sie bitte Ihre Zahlen und teilen Sie diese Summe durch 13:

Liegt Ihr Wert bei 4,75 oder höher, gehöreen Sie zu den "Maximierern"

Liegt Ihr Wert bei 3,25 oder darunter, gehören Sie zu den "Genügsamen".

Haben Sie einen Wert zwischen 3,25 und 4,75, sind Sie ein Mischtyp.

Beide Typen haben Ihre Vor- und Nachteile. Es gibt hier also kein "Richtig oder Falsch".

Bei schwerwiegenden Entsacheidungen ist es klug, sich seinen Typus bewusst zu machen, kurz innezuhalten und vielleicht sogar zu versuchen, ein bisschen wie der andere Typ zu agieren.

 

Quellen:

Barry Schwartz, Anleitung zur Unzufriedenheit; Ullstein Taschenbuch 2006

Jochen Mai, Warum ich losging, um Milch zu kaufen, und mit einem Fahrrad nach Hause kam; dtv 2016