Birgit Fischer-Sitzwohl  |  Strategien und Tools für klare Ziele und effiziente Teamarbeit

Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 1. Auflage 2026, 168 Seiten

Struktur als Voraussetzung wirksamer Zusammenarbeit

Viele Schwierigkeiten in Organisationen entstehen nicht durch fehlende Motivation oder mangelnde Fachkompetenz, sondern durch unklare Aufträge, unterschiedliche Zielbilder und vorschnelles Handeln. Genau an diesem Punkt setzt Birgit Fischer-Sitzwohl mit ihrem Managementbuch „Zusammenarbeit mit System“ an. Die zentrale Botschaft lautet: Gute Zusammenarbeit ist kein Zufallsprodukt. Sie lässt sich durch eine gemeinsame Denk- und Vorgehensweise gezielt verbessern. Das Buch zeigt, wie Teams und Einzelpersonen Klarheit schaffen, Verantwortung sinnvoll verteilen, ihre Arbeit strukturieren und aus Erfahrungen lernen können.

Der Praxisbezug des Buches spiegelt die langjährige berufliche Erfahrung der Autorin wider. Seit 2001 ist Fischer-Sitzwohl als Beraterin und Trainerin bei Coverdale tätig und wendet die Coverdale-Methode in unterschiedlichen Beratungs- und Trainingskontexten an. Seit 2007 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin von Coverdale Österreich.

Ihre Erfahrung in der Führungskräfte- und Organisationsentwicklung sowie in den Bereichen Mediation, Konfliktmanagement und internationale Zusammenarbeit prägt das gesamte Buch. Die vorgestellten Instrumente werden nicht abstrakt erläutert, sondern anhand typischer Situationen aus dem Führungs-, Projekt- und Arbeitsalltag veranschaulicht.

Sieben Schritte vom Auftrag zur Reflexion

Den Kern des Buches bildet die systematische Vorgehensweise nach Coverdale. Sie umfasst sieben Schritte: Auftrag klären, Ziele vereinbaren, Informationen sammeln, notwendige Tätigkeiten bestimmen, planen, umsetzen und eine Rückblende durchführen.

Die Reihenfolge schützt Teams davor, sofort in Lösungen oder Aufgabenverteilungen zu springen oder ebenso zulange in Denkprozessen zu verharren. Besonders überzeugend ist, dass die Methode nicht als starres Prozessmodell verstanden wird. In komplexen Vorhaben können einzelne Schritte wiederholt und in kurzen, aufeinander aufbauenden Schleifen durchlaufen werden.

Die vier Denkhilfen übersetzen die systematische Vorgehensweise in konkrete Arbeitsformen. Ihr Wert liegt jedoch nicht im Ausfüllen eines bestimmten Schemas, sondern in den dahinterliegenden Prinzipien:

  • zuerst Klarheit schaffen,
  • Informationen und Aufgaben voneinander trennen,
  • Verantwortung sichtbar machen,
  • bewusst aus der Reflexion lernen und
  • Orientierung mit Eigenverantwortung verbinden.

Weil diese Prinzipien unabhängig von Branche, Hierarchie und Aufgabenart gelten, lassen sich die Werkzeuge in sehr unterschiedlichen Situationen einsetzen.

Vier Denkhilfen im Überblick

Die Coverdale Zielscheibe Besonders anschaulich verdichtet das Buch die Zielklärung auf vier Perspektiven: Stakeholder, Sinn und Zweck, Erfolgskriterien und Endergebnis. So wird deutlich, dass ein gemeinsames Zielbild vor der Maßnahmenplanung steht.Der Planning Grid Der Planning Grid zeigt praxisnah, dass gute Planung mit der Klärung vorhandener und fehlender Informationen beginnt. Erst daraus werden Tätigkeiten, Verantwortlichkeiten und Termine abgeleitet.
Die Rückblende Die Trennung von Ergebnis- und Prozessrückblende ist besonders hilfreich: Teams prüfen sowohl das Resultat als auch ihre Zusammenarbeit. Lernen wird damit zum festen Bestandteil laufender und künftiger Vorhaben.Der Delegationstrichter Der Delegationstrichter übersetzt das Prinzip situationsgerechter Verantwortung in eine klare Orientierung. Vorgaben und Freiraum werden an Aufgabe, Rahmenbedingungen und Entwicklungsstand der Mitarbeitenden angepasst.

Abbildungen: Fischer-Sitzwohl (2026)

Von den Prinzipien zur praktischen Anwendung

Der konsequente Praxisbezug zeigt sich besonders in der Arbeit mit vier wiederkehrenden Rollen, die im Buch durch unterschiedliche Personas verkörpert werden. Sie stehen für

  • strategische Unternehmensführung,
  • Führung im mittleren Management,
  • laterale Projektleitung und
  • individuelle Selbstorganisation.

Die Rollen bilden einen roten Faden durch das Buch: An ihren jeweiligen Herausforderungen wird sichtbar, wie dieselben Prinzipien und Denkhilfen je nach Kontext unterschiedlich gewichtet und miteinander kombiniert werden können.

Auf strategischer Ebene schaffen Zielscheibe und Ergebnisrückblenden ein gemeinsames Bild über Bereichsgrenzen hinweg. In der Teamführung unterstützen insbesondere Rückblende und Delegationstrichter dabei, Veränderung als schrittweisen Lernprozess zu gestalten und Verantwortung passend zu übertragen. In der Projektleitung sorgen Zielscheibe, Planning Grid und kurze Rückblenden auch ohne formale Weisungsbefugnis für Klarheit und Verbindlichkeit. In der Selbstorganisation helfen dieselben Werkzeuge, Kundenaufträge zu präzisieren, Prioritäten zu setzen und Erfahrungen systematisch auszuwerten.

Die späteren Case Studies vertiefen diese Anwendungen. Sie zeigen nicht nur den punktuellen Einsatz eines einzelnen Werkzeugs, sondern den vollständigen Weg von der Ausgangssituation über Zielklärung, Planung und Umsetzung bis zur Rückblende.

Dadurch wird erkennbar, wie aus einzelnen Denkhilfen eine konsistente Arbeitsweise entsteht. Die Fälle unterscheiden sich in Rolle und Herausforderung, beruhen jedoch auf denselben Prinzipien. Gerade diese Verbindung von wiederkehrender Grundlogik und flexibler Anwendung macht die Coverdale-Methode für unterschiedliche Arbeitssituationen anschlussfähig.

Prinzipien statt Rezepte

Die Coverdale-Methode arbeitet auf Prinzipienebene. Zielscheibe, Planning Grid, Rückblende und Delegationstrichter sind deshalb keine starren Formulare, sondern hilfreiche Denkwerkzeuge. Sie fokussieren auf eine gemeinsame Logik: Klarheit vor Aktivität, Stakeholderorientierung, nachvollziehbare Planung, transparente Verantwortung und Lernen aus Erfahrung. Diese Prinzipien bleiben gleich, während ihre konkrete Anwendung an Situation, Rolle und Komplexität angepasst wird.

Praxisorientierung als besondere Stärke

„Zusammenarbeit mit System“ überzeugt als Arbeits- und Praxisbuch. Die klare Sprache, die wiederkehrenden Anwendungssituationen und die zahlreichen Leitfragen erleichtern den Einstieg und unterstützen den Transfer in die eigene berufliche Praxis.

Besonders gelungen ist die Verbindung von Zielklärung, Planung und Reflexion: Die Instrumente stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern greifen systematisch ineinander. Auch die Unterscheidung zwischen Ergebnis- und Prozessrückblende ist wertvoll, da sie sowohl die Qualität der Resultate als auch die Art der Zusammenarbeit berücksichtigt.

Die besondere Stärke liegt in der Funktion als fundierter Praxisleitfaden. Langjährig erprobte Prinzipien werden in verständliche Werkzeuge und konkrete Fragestellungen übersetzt, die sich unmittelbar in Führung, Projektarbeit, Teamzusammenarbeit und Selbstorganisation einsetzen lassen.

So bietet die Publikation nicht nur Orientierung, sondern unterstützt Leserinnen und Leser dabei, Zusammenarbeit Schritt für Schritt wirksamer zu gestalten.

Nutzen für die berufliche Praxis

Besonders empfehlenswert ist der Praxisleitfaden für Führungskräfte, Projektverantwortliche, interne Beraterinnen und Berater sowie Selbstständige, die Zusammenarbeit bewusster gestalten möchten.

Sein größter Nutzen entsteht durch unmittelbares Ausprobieren. Als Einstieg genügt ein reales Vorhaben: zunächst den Auftrag klären, anschließend die vier Fragen der Zielscheibe beantworten, Informationen und Aufgaben im Planning Grid sichtbar machen und nach dem nächsten Meilenstein eine kurze Rückblende durchführen.

Damit wird die Grundidee praktisch erfahrbar: Struktur nimmt Zusammenarbeit nicht die Freiheit, sondern schafft den Rahmen, in dem Verantwortung, Lernen und gemeinsame Wirksamkeit möglich werden.

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