… wir haben ein Ausmaß digitaler Transformation von zwei Jahren in zwei Monaten erlebt
Satya Nadella, CEO Microsoft, Zitat vom 30.4.2020

Digitale Transformation ist bereits seit einigen Jahren ein zentrales Thema, von dem keine Branche und kein Unternehmen unberührt blieb. Seit Beginn der Corona-Krise hat dieses Thema allerdings eine völlig neue Dynamik entwickelt. Auch wir Berater und Coaches sind da keine Ausnahme. So finden Trainings und Coachings, nachdem persönliche Treffen seit einigen Wochen nicht möglich sind, nun online statt.

Als Coverdale Österreich waren wir darauf gut vorbereitet:

  • Vor 5 Jahren haben wir begonnen, alle unsere Kernthemen auch als E-Learning / Blended Learning anzubieten
  • Seit einem Jahr verwenden wir die OpenSource – Lösung BigBlueButton als Videokonferenzsystem, um Online-Coachings und Trainings durchzuführen

In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen aus den letzten Wochen speziell zum Thema Online-Coaching teilen.

Als jemand, der mehr als 20 Jahre in der IT-Branche verbracht hat, begeisterte mich die Möglichkeit, Trainings und Coachings online durchzuführen, schon seit Beginn meiner Tätigkeit als Trainer und Coach. So habe ich bereits im Jahr 2010 meine Master-Thesis, die im Rahmen meiner Coaching-Ausbildung entstand, dem Thema Online Coaching gewidmet. Die damals gesammelten Erkenntnisse sind auch heute noch aktuell. Ich möchte hier auf drei Punkte näher eingehen:

  1. Die Kundin bzw. der Kunde steht im Zentrum – nicht die Technik.

Einer der wichtigsten Grundsätze für erfolgreiches systemisch-konstruktivistisches Coaching ist, dass während des gesamten Prozesses der Coachee mit seinen Anliegen im Mittelpunkt steht.

Beim Online-Coaching besteht immer die Gefahr, dass Coach oder Coachee von der Technik abgelenkt werden. Ein erfahrener Coach, der mit den eingesetzten Tools vertraut ist, ist daher von enormer Bedeutung.

Genauso wichtig ist die Klärung des Settings. Nur, wenn der Coachee auch wirklich ungestört und arbeitsfähig ist, wird Coaching seine volle Wirkung entfalten. Da ist manchmal auch Kreativität gefragt. So hat sich z. B. einer meiner Coachees für die Coaching-Session in den begehbaren Kleiderschrank zurückgezogen – der einzige Ort in der Wohnung, an dem er ungestört war. Das Coaching hat dann auch wunderbar funktioniert.

2. Computeraffinität des Coachees ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Interessanterweise bekomme ich oft das Feedback, dass Kunden nach einiger Zeit den Unterschied zu einer persönlichen Session nicht mehr wahrnehmen. Sobald der Coachee im Coaching-Prozess ist, tritt alles andere in den Hintergrund.

Wie schnell das geht, hängt unter anderem auch davon ab, wie computeraffin der Coachee ist. Jemand der gewohnt ist, online zu arbeiten, wird auch von der Technik oder möglichen technischen Problemen weniger abgelenkt.

Als Coach ist es mir wichtig, diesen Punkt vorab anzusprechen und dem Coachee die Zeit zu geben, die er braucht, um sich an das Setting zu gewöhnen.

3. Transparenz Datenschutz und Datensicherheit betreffend.

Datenschutz und Vertraulichkeit sind im Coaching immer ein wichtiges Thema – in Online-Settings bekommt diese noch mehr Bedeutung. Beim Coaching geht es um Vertrauen. Oft werden sensible, persönliche Themen besprochen.

Als Coach sehe ich es als meine Verantwortung, sicherzustellen, dass die Vertraulichkeit auch online gewahrt bleibt. Aus diesem Grund verzichte ich beim Online Coaching auf den Einsatz von Public-Cloud Lösungen wie z. B. Zoom. Wir verwenden bevorzugt die Open Source-Lösung BigBlueButton, die wir auf eignen Servern betreiben. Damit können wir ein Maximum an Datensicherheit gewährleisten. Dabei geht es nicht nur darum, zu verhindern, dass mitgehört wird, sondern auch um die Vertraulichkeit von Mitschriften, die online während des Coachings entstehen. Meine Erfahrung ist, dass ein offener Umgang des Coaches mit den Maßnahmen zum Thema Datenschutz vom Coachee sehr geschätzt wird – und damit Vertrauen zum Coach und ins Setting entsteht.

Zusammenfassend sind meine Erfahrungen zum Thema Online-Coaching der letzten Wochen extrem positiv. Einige Coachees haben bereits den Wunsch geäußert, auch nach der Corona-Krise verstärkt auf Online Coaching zu setzen. Es gab keine Situation, in der ein Coaching aufgrund technischer Probleme nicht stattfinden konnte. Ich bin überzeugt davon, dass mit fortschreitender Digitalisierung die Bedeutung von Online Settings immer mehr zunehmen wird.