Neue Ideen – neue Lösungen finden

Die anhaltend schwierige Lage, die durch Corona ausgelöst wurde, stellt Unternehmen und Gesellschaft vor große, mehr oder weniger neue, Herausforderungen. Quasi über Nacht wurden althergebrachte Abläufe, Lösungen, Produkte infrage gestellt.

Die aktuelle Situation verlangt in vielen Branchen und Unternehmen*innen nach neuen, kreativen Ideen und Lösungen für die bestehenden Herausforderungen. Kreativ sein, ist im Arbeitsalltag und bei der täglichen Routine allerdings nicht ganz einfach.

Chancen bietet ein seit geraumer Zeit in der Software-Entwickler-Szene eingesetztes Format – ein Hackathon.

Was ist ein Hackathon?

Ein Hackathon ist die Eventform des Out-of-the-box-Denkens oder auch ein Großformat zu Design Thinking. Er ist eine Veranstaltung, bei der innerhalb kurzer Zeit in kleinen, kreativen, interdisziplinären Gruppen und lockerer Atmosphäre an Problemen getüftelt, neue Produkte, Ideen, Lösungen entwickelt und in Prototypen umgesetzt werden.

Der Begriff Hackathon setzt sich aus den Wörtern “Hack” und “Marathon” zusammen. „Hack“ bezieht auf das englische „to hack“ – „tüfteln“ und darauf, Probleme auf ungewöhnliche Weise zu lösen. Marathon steht für eine begrenzte, über längere Zeit anhaltende Aktivität.

Woher kommt der Hackathon?

Traditionell kommt der Hackathon aus dem Software-Bereich. Der erste Hackathon fand im Jahr 1999 auf der Java-One-Konferenz in San Francisco statt, wo sich Programmierer, Entwickler*innen und Techniker*innen zusammenfanden, um ein Programm für das Palm V, einem damals topmodernem PDA (Personal Digital Assistant – kleiner tragbarer Computer), zu entwickeln. Die Idee stammte vom Informatiker John Gage. In den darauffolgenden Jahren fanden immer mehr Hackathons statt, von Investoren und Technologiegruppen initiiert, die das Potential erkannten, um schnell neue Entwicklungen umzusetzen.

Schließlich formte das Silicon Valley die Hackathons so, wie sie heute ablaufen. Die jungen disruptiven Technologieunternehmen des Silicon Valley erweiterten die Events auf andere Disziplinen.

Ein typischer Hackathon

Es handelt sich um eine größere Veranstaltung, in der Personen aus unterschiedlichen Disziplinen in Teams an Lösungen für Fragestellungen arbeiten und das über einen Zeitraum von 24 oder 28 Stunden, rund um die Uhr. Im Vordergrund steht immer der Wettbewerb um die beste Lösung.

  • Die Teilnehmer*innen übernachten vor Ort. Der Veranstalter organisiert Essen, Trinken, Übernachtung. Dies führt dazu, dass die Teilnehmer*innen mit viel Kreativität und Spaß. ihre Gedanken auch bei den gemeinsamen Mahlzeiten austauschen können. Sie arbeiten häufig sehr unkonventionell und ohne lange Pausen. Anders als in der täglichen Arbeit ist Scheitern eine Option.
  • Zu Beginn eines Hackathons gibt es eine oder mehrere Problemstellungen, Fragen, Herausforderungen. Diese werden zu Beginn erläutert.
  • Die Teilnehmer*innen entwickeln dann in interdisziplinäre Gruppen von ca. 5 Personen völlig freie Ideen zum Thema. Die Machbarkeit steht hier nicht im Vordergrund.
  • Im Weiteren geht es dann um die konkrete Ausarbeitung und die tatsächliche Machbarkeit der Lösungsansätze. Am Ende steht ein Prototyp.
  • Jedes Team präsentiert seinen Vorschlag, Vorteile, Potenziale in einer 2-3-minütigen (Pitch) Präsentation vor einer Jury, den anderen Teilnehmern, Sponsoren etc.
  • Zum Abschluss werden Sieger benannt und Sach- oder Geldpreisen übergeben.

Möglichkeiten/Varianten

Hackathons haben sich seit den Anfängen weiterentwickelt, liegen voll im Trend und erfreuen sich inzwischen über die IT-Branche hinaus großer Beliebtheit. Längst sind es nicht mehr nur junge und moderne Startups im Silicon Valley, die Hackathons organisieren und ihre Mitarbeiter*innen oder Unternehmensexterne dazu einladen, einfach mal herum zu spinnen und kreative Ideen zu entwickeln Sowohl große Konzerne als auch mittlere und kleinere Unternehmen unterschiedlicher Branchen nutzen die Möglichkeiten

So viele Hackathons es inzwischen gibt, so unterschiedlich laufen sie ab. Abhängig von Thema und Ziel unterscheiden sich Dauer, Teilnehmer*innen, Ablauf und Detailinhalte. Das Grundprinzip ist  nach wie vor gleich: kreative Ideen werden entwickelt, Prototypen geschaffen und erfolgreiche Änderungen implementiert. Das ganze verbunden mit Spaß, Engagement und Wettbewerb.

Die wichtigsten Elemente

  • Kreatives Umfeld: außerhalb einer normalen Arbeitsroutine, inzwischen auch virtuell
  • Funktionierende Infrastruktur: Räume, Arbeitsmittel, Technik
  • Gut organisierte Rahmenbedingungen: Verpflegung, evtl. Vorträge und Marktstände
  • Dauer: mehrere Stunden, Tage, Wochenende
  • Beteiligte: größere Personengruppe aus unterschiedlichen Fachdisziplinen – Unternehmensmitarbeiter*innen, unter externer Beteiligung (Kunden*innen, Lieferant*innen) oder völlig Externe (z. B. Student*innen, Expert*innen..)
  • Teams: im Vorfeld festgelegt oder sich in der Veranstaltung selbst finden – wichtig interdisziplinär
  • Themen: vorgegeben oder im Event selbst definiert
  • Ergebnis als umsetzbare, testbare Prototypen
  • Ergebnis dokumentieren und präsentieren
  • Anreiz, Motivation: durch Preise, Prämien, Lob, Plätze, Applaus

Chancen eines Hackathons

Ein Hackathon ist im Idealfall ungezwungen, macht Spaß und fördert kreative Gedanken und Ideen. Zudem bietet er den Teilnehmer*innen Raum, sich selbst zu entfalten.

Entscheidend ist die lockere Atmosphäre, die dazu einlädt, sich aktiv und unvoreingenommen einzubringen. Sie unterstützt dabei, abwegige Ideen einfach und ohne Scheu auszuprobieren. Auch Teilnehmer*innen, die sonst keine Kontaktpunkte im Unternehmen haben, können Ideen einbringen und tauschen Gedanken aus. Dadurch entstehen oft sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Trotz der lockeren Rahmenbedingungen ist der Hackathon keine Party, bei der am Rande gearbeitet wird. Ein Hackathon muss rechtzeitig und detailliert organisiert werden, um dem zielgebundenen Charakter des Events gerecht zu werden.

Entscheidend für den Erfolg ist neben dem Format an sich, das persönliche Engagement aller Beteiligten, mit Spaß ihre Kreativpotenziale auszuschöpfen, um damit gemeinsam Erfolg zu erzielen. Der eigentliche Marathon liegt dann in der konsequenten Verfolgung der entstandenen Ideen und einer entsprechenden Rückmeldung an die beteiligten Personen.