Entscheidungshemmer

Die zwei wesentlichen Faktoren, die uns daran hindern, Entscheidungen zu treffen, sind

1. „Kognitive Dissonanzen“

Menschen wünschen sich grundsätzlich eine widerspruchsfreie Welt. Mit jeder Entscheidung geraten wir allerdings in „Kognitive Dissonanzen“: bei der Entscheidung für eine Option schließen wir alle anderen Optionen aus –  und es passiert häufig, dass wir nach einer Entscheidung erfahren oder auch nur meinen, dass eine andere Option die bessere gewesen wäre.

2. Kopf oder Bauch?

Die moderne Hirnforschung hat herausgefunden, dass es nicht nur falsch ist, das rationale Denken über die Gefühle zu stellen, sondern dass Emotionen überhaupt erst Entscheidungen möglich machen. Besonders wenn es darum geht, komplexe Probleme zu lösen, entsteht häufig das Gefühl einer Überforderung durch eine zu große Informationsmenge. Rational können wir diese nicht mehr überblicken. Unbewusst gespeicherte Informationen, also die Intuition, können helfen, diese Flut zu filtern. Auch wenn es um besonders schnelle Reaktionen geht oder darum, Menschen einzuschätzen, ist das limbische Gehirn im Vorteil, ebenso wenn wir eine innovative Idee brauchen, um ein Problem zu lösen.

Umgang mit Unbewusstem

Hier stellt der Autor vier Wahrnehmungsfehler vor, die unser Gehirn erzeugt in dem Versuch, Komplexität zu verringern.

  1. Framing, also der Rahmen, in dem uns eine Information präsentiert wird, entscheidend, wie wir sie wahrnehmen
  2. Authority Bias beschreibt dagegen unsere Neigung, Autoritäten (z. B. Experten oder Statusträger) mehr Glauben zu schenken als anderen.
  3. Der sogenannte Wiederholungseffekt: Informationen, egal wie widersprüchlich sie sein mögen, werden für glaubwürdig gehalten werden, wenn sie nur oft genug wiederholt werden.
  4. Der sogenannte Confirmation Bias schließlich beschreibt unsere Neigung, Informationen so zu filtern, dass sie unsere bereits bestehende Meinung bestätigen.

In der Folge stellt Jochen Mai hilfreiche Entscheidungstechniken vor und führt diese aus. Nachfolgend nur einige Beispiele:

Analytische Methoden

  • Pro-und-Kontra-Liste
  • Entscheidungsmatrix
  • Best-Case-/Worst-Case-Methode

Kreative Methoden

  • Methode des Standortwechsels (die Position eines Dritten, Unbeteiligten einnehmen
  • Zeitreisemethode oder 10-10-10-Methode (welche Auswirkung wird Ihre Entscheidung in 10 Tage, 10 Monaten, 10 Jahren haben“?)

Auf die Frage, wie Fehlentscheidungen zu Stande kommen führt Jochen Mai vier Faktoren an:

  1. Die Entscheidung beruhte auf falschen Informationen.
  2. Selbst wenn Ihre Informationen richtig waren, können Sie sich geirrt haben, indem Sie sie falsch bewertet haben.
  3. Auch kann es sein, dass Sie getäuscht wurden: Jemand hat Ihnen bewusst falsche Informationen oder Ratschläge gegeben. Um dieses Risiko zu minieren, sollten Sie sich fragen, ob Ihre Ratgeber von Ihrer Entscheidung profitieren, also ein Eigeninteresse verfolgen könnten.
  4. Schließlich können Sie auch einfach Pech gehabt haben.

Hier gibt der Autor auch Hinweise, wie wir mit Fehlentscheidungen und den daraus resultierenden Emotionen hilfreich umgehen können und…

Was am Ende zählt

Auf lange Sicht sind die meisten Entscheidungen, die wir heute bereuen oder derentwegen wir uns schämen, ohnehin völlig irrelevant. Die Palliativ-Krankenschwester Bronnie Ware hat viele Menschen bei ihrem Sterben begleitet und dabei erfahren, was sie wirklich bereuen. Es sind fünf Motive, die immer wieder vorkommen:

  1. sich selbst nicht treu geblieben zu sein,
  2. zu viel gearbeitet zu haben,
  3. die eigenen Gefühle nicht geäußert zu haben,
  4. Kontakt zu Freunden verloren zu haben,
  5. der eigenen Freude im Weg gestanden zu haben.

Vieles von dem, was wir heute für maßgeblich halten, erweist sich am Ende als unwichtig. Diese Erkenntnis kann vielleicht auch dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Zusammenfassend bietet das locker und gut lesbar geschriebene Buch, unterlegt mit vielen lebensnahen Beispielen und auf dem letzten Stand der Forschung, einen Ratgeber für alle, die leichter und besser entscheiden wollen.