Stelle ich im Training Führungskräften oder Projektleitern und -mitgliedern die Frage, wie sie langfristig Qualität in der Zusammenarbeit sicherstellen, kommen wir sehr schnell auf das Thema regelmäßiger Rückblenden.

In der Regel finden solche Reviews, wenn überhaupt, immer am Ende eines Projektes statt und auch meistens auch nur dann, wenn etwas „schiefgelaufen“ ist.

Bei Coverdale arbeiten wir im Zuge des Erfahrungslernens mit einem Feedback- und Rückkopplungsprozess in der Rückblende, in dem nicht nur die Schwachpunkte und Misserfolge der Auftragserledigung bearbeitet, sondern vor allem auch eine fundierte Analyse dessen betrieben wird, was gut gelaufen ist, um zu erfahren, wie man diesen Erfolg jederzeit nach eigenem Willen wiederholen kann.

Diese Erfolgsanalyse dient überdies den Teammitgliedern als Basis, auf der sie als Gruppe wie auch als Individuum Sicherheit und Stärken für die Zukunft aufbauen können.

Durch die abschließende gemeinsame Vereinbarung wichtiger Schritte (Methoden, Techniken, Verhalten), wie z. B. beim nächsten Mal eine Meilensteinplanung als Zeitmanagementinstrument einzubauen, stellt das Team sicher, dass Lernerfahrungen tatsächlich umgesetzt werden. So gelingt schrittweise die Entwicklung von einer bloßen Gruppe (Einzelpersonen, die voneinander unabhängige Arbeitsteile bearbeiten) zu einem funktionsfähigen Team (eine Gruppe von Personen, die gemeinsam ein Ziel vereinbaren und gemeinsam an dessen Erreichen zusammenarbeiten).

Im Training wie in der Praxis laufen diese Rückblenden wie folgt ab:

  1. In Einzelarbeit halten die Teammitglieder jeder für sich fest, was sie bei dem Prozess der Zusammenarbeit als hilfreich bzw. als hinderlich erlebt haben. (Dabei geht es nicht um „Gut“ oder „Schlecht“, sondern die Teilnehmer halten Ihre ganz persönlichen Wahrnehmungen fest).
  2. Der Moderator der Rückblende holt pro Person die hilfreichen und hinderlichen Aspekte ab und visualisiert diese.
  3. Je nach Rolle des Moderators (z. B. als Führungskraft oder Projektleiter) schildert dieser dann, wie er die Zusammenarbeit „von außen“ erlebt hat.
  4. Nachdem die Teammitglieder jetzt Ihre „Innensicht“ und eine „Außensicht“ haben, werden Vereinbarungen für den nächsten Auftrag / die nächste Iteration getroffen. Die Fragen hierfür sind:
    • Was wollen wir das nächste Mal wieder so machen / beibehalten?
    • Was werden wir das nächste Mal anders / nicht mehr machen?

Je nachdem, wie komplex die Vereinbarungen sind, werden aus dieser heraus noch konkrete Pläne / To Do’s mit dem Team vereinbart. Ein Beispiel:

  • Hinderlich war: Zeit wurde vergeudet, weil nicht alle Teammitglieder verstanden hatten, um was es ging.
  • Vereinbarung: Wir stellen sicher, dass die Ziele der Aufgabe allseits verstanden sind.
  • Plan: Sobald zu Beginn der nächsten Sitzung die neue Aufgabe formuliert ist, soll jedes Teammitglied mit seinen eigenen Worten schildern, wie es Sinn und Ziele dieser Aufgabe versteht.

Diese Rückblende kann sehr flexibel eingesetzt werden: entweder am Ende eines Projektes oder auch jeweils nach einzelnen Schritten der Abarbeitung eines Projektes.

Die Einfachheit dieses Tools ermöglicht seinen Einsatz vom DIN A 4-Blatt (für mich selbst oder in kleinen Gruppen) über das Flipchart bis hin zur Pin Wand (und natürlich jedem anderen elektronischen Hilfsmittel). Wichtig ist, dass der oben geschilderte Prozess eingehalten wird.

Die Rückblende auf das Ergebnis ist für viele Teams meistens selbstverständlich (spätestens nach dem Feedback vom Kunden). Genauso wichtig sollte, vor allem in agilen Teams, vor dem Hintergrund selbstorganisierten Arbeitens, die regelmäßige Sicht auf die Qualität der Zusammenarbeit sein.

Ja, das nimmt etwas Zeit in Anspruch – gleichzeitig ist diese Zeit, langfristig gesehen, ein sehr gutes „Investment“ ins Team.

Mehr zum Thema Zusammenarbeit finden Sie auch auf unserer Homepage unter Training Zusammenarbeit