Schon immer war es eine der wichtigsten Führungsaufgaben, Entscheidungen bestmöglich zu treffen. Daran hat sich auch durch die Entstehung neuer Organisationsformen nichts geändert. Dennoch braucht ein selbstorganisiertes Team im Gegensatz zu einer hierarchisch geführten Organisation, in der die Führungskraft oft allein entscheidet, alternative Entscheidungstechniken.

Gemeinsame klare Entscheidungsfindung im Team fördert die Effizienz und reduziert Konflikte.

Nachfolgend ein kurzer Streifzug durch die wichtigsten Entscheidungsverfahren, die kontextbezogen unterschiedlich zum Einsatz kommen können.

Konsens

Das Team findet eine Entscheidung, der alle uneingeschränkt zustimmen. Oftmals wird davon ausgegangen, dass selbstorganisierte Teams nur dann funktionieren, wenn zwischen allen Teammitgliedern Konsens herrscht. Dies ist aber nur ganz selten der Fall. Es gibt Themen, bei denen es Sinn macht, Konsens im Team herzustellen. Für viele Fragestellungen ist allerdings eine alternative Entscheidungsmethode die effizientere Vorgehensweise.

Mehrheit

Das Team entscheidet sich nach einer Abstimmung für den Beschluss der Mehrheit. Der Nachteil dieses Verfahrens ist, dass Einwände, abweichende Ideen und Meinungen nicht berücksichtigt werden. Hier zählt oft sehr stark das Argumentationsgeschick des einzelnen, um eine Zustimmung zu erreichen.

Mehrheitsbeschluss mit Veto

Grundsätzlich erfolgt die Entscheidung durch einen Mehrheitsbeschluss, aber einzelne Teammitglieder können ihr Veto gegen einen Entscheidungsvorschlag einlegen. Damit kann dem typischen Gewinner-Verlierer-Effekt einer demokratischen Entscheidung entgegengewirkt werden.

Konsultativer Einzelentscheid

Die Entscheidung wird von einer einzelnen Person allein getroffen und ist für alle verbindlich. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen von konsultativen Einzelentscheiden. Eine einzelne Person nimmt sich einer bestimmten Fragestellung an oder wird vom Team ausgewählt. Der Entscheider muss, bevor er eine Entscheidung trifft, betroffene Personen bzw. relevante Experten konsultieren, um mit ihnen bestimmte Fragen, Einwände und Ideen zu reflektieren.

Konsent

Beim Konsent wird nicht die Zustimmung, sondern der Einwand gegen einen Vorschlag abgefragt: Derjenige, der einen Einwand einbringt, ist auch verpflichtet, einen integrativen Beitrag zu leisten. Dies ist z.B. ein Vorschlag, der die Lösung so verändert, dass der Einwand entfällt. Können Einwände nicht integriert werden, tritt die angestrebte Vereinbarung nicht in Kraft. Teammitglieder sind in diesem Verfahren proaktiv zu Lösungen aufgefordert.

Widerstandsabfrage (Systemisches Konsensieren)

Die Widerstandsabfrage zählt zu den konsensnahen Entscheidungsverfahren. Die zu treffende Entscheidung wird mit Hilfe einer Punkteabfrage innerhalb des Teams hergestellt: Der Widerstand eines jeden Teammitglieds zu jeder Entscheidungsvariante wird auf einer Skala von 0 bis 10 transparent gemacht. Durch Aufsummieren der Punkte wird der Gesamtwiderstand des Teams ermittelt und derjenige Lösungsvorschlag gewählt, der die geringste Ablehnung erfährt.

Zusammenfassend werden in selbstorganisierten Teams vor allem partizipative Entscheidungsverfahren angewandt. Besonders das Systemische Konsensieren hat sich im Fall mehrerer Lösungsvarianten zu komplexen Themenstellungen bewährt. Doch auch selbstorganisierte Teams entscheiden situativ unterschiedlich.

Das Zulassen verschiedener Meinungen aus dem Wissens- und Erfahrungsschatz im Team zusammen mit einer gesunden Entscheidungskultur aus gelebten Entscheidungsverfahren lassen selbstorganisierte Teams meist besser entscheiden als hierarchische Führer.